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KUNST ⇆ HANDWERK Zwischen Tradition, Diskurs und Technologien

02. Oktober 2020 - 10. Januar 2021

Haegue Yang The Intermediate – Hairy Tele Digi-Big-Bang Fanned Out, 2018 Ausstellungsansicht Triple Vita Nestings, Institute of Modern Art, Brisbane, Australien, 2018, Courtesy kurimanzutto, Mexico City/New York, Foto: Carl Warner

In den letzten Jahren ist das Interesse zeitgenössischer Künstler*innen am Material, an (kunst)handwerklichen Verfahren, am Experimentieren mit Material und Techniken auffällig gewachsen. Dabei entstehen Arbeiten, die sich auf kunsthandwerkliche, volkstümliche, künstlerische Traditionen sowie zeitgenössische und technologische Diskurse gleichermaßen beziehen. Der Umgang dieser Künstler*innen mit vormodernem, tradiertem bzw. lokalem Wissen, mit diversen Materialien und Verfahren ist nicht abschottend, sondern öffnend – hin zu anderen Kulturen, zur modernen und zeitgenössischen Kunst. Lokale Formen des Wissens und globaler Wissenstransfer werden verbunden. Die Bedeutung und Wertschätzung des Handwerks als ein wesentlicher Bestandteil kultureller Identität und vor allem das Gemeinschaft stiftende Potenzial von kunsthandwerklichen Traditionen wird mit sozialen und ökonomischen Verhältnissen in einer globalisierten Welt zusammengedacht. Mit diesem Ansatz fordern Künstler*innen auch gegenwärtige politische Instrumentalisierungen von Heimat, Volk, Volkskunst und Tradition heraus. Es scheint sogar so zu sein – so die These der Ausstellung –, dass dieser globalisierte Blick zu einer Sensibilisierung im Hinblick auf handwerkliche Spezifika und den potenziellen Verlust von altem und lokalem Wissen führt. In der Ausstellung werden Werke von Azra Akšamija, Olivier Guesselé-Garai, Plamen Dejanoff, Olaf Holzapfel, Antje Majewski, Jorge Pardo, Slavs and Tatars, Haegue Yang und Johannes Schweiger präsentiert. Die Ausstellung wird in Kooperation mit dem Kunsthaus Graz realisiert.


Camille Henrot

20. Februar 2021 - 16. Mai 2021

Camille Henrot Ausstellungsansicht »Monday«, 2016 Fondazione Memmo, Rom Courtesy die Künstlerin und kamel mennour (Paris/London); König Galerie (Berlin); Metro Pictures (New York)

Die Kestner Gesellschaft präsentiert eine umfassende Einzelausstellung der Künstlerin Camille Henrot (*1978 in Paris, Frankreich). Die in New York lebende Künstlerin beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit dem Streben nach unmittelbaren, privaten Utopien, mit einer Flut von Bildern und Wissen, mit Kreativität und Schöpfungsmythen. In Zeichnungen, Kalkputz-Freksen, großformatigen Skulpturen, Installationen und Videoarbeiten verhandelt sie Ordnungskategorien und Elemente des unmittelbaren Lebens. Bekannt geworden ist Henrot vor allem durch die Videoarbeit »Grosse Fatigue« (2013), auf der Biennale in Venedig wurde sie dafür mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet. Das Video erzählt die Geschichte des Universums in 13 Minuten. Darin kombiniert sie unterschiedliche Mythologien, Schöpfungsgeschichten, Chaos-Theorie, Big Bang Theorie und banale Internet-Fundstücke. Henrots Installationen sind häufig von einer umfangreichen Recherche begleitet, nach der die Künstlerin unter anderem historische, philosophische und literarische Quellen mit persönlichen Erfahrungen verknüpft. Henrot inszeniert diese materiellen und geistigen Fundstücke im Ausstellungsraum und verweist mit einem Augenzwinkern auf eine umfassende Fülle von tradierten Darstellungen, Ritualen und neueren Internetfundstücken. 2020 ist Camille Henrot unter anderem mit einer Einzelausstellung in der National Gallery of Victoria in Melbourne, Australien, und auf der Liverpool Biennale, England, vertreten. Ihr Werk wurde international mit umfassenden Einzelausstellungen unter anderen am im Palais de Tokyo, Paris (2017), der Kunsthalle Wien (2017) und dem New Museum, New York (2014), gewürdigt.


Susan Hiller

20. Februar 2021 - 16. Mai 2021

Susan Hiller  Lost and Found, 2016 Einkanalige Projektion mit Ton Maße variabel 30 Minuten © Susan Hiller; Courtesy Lisson Gallery

Parallel zur Ausstellung von Camille Henrot präsentiert die Kestner Gesellschaft in der Claussen-Halle die Arbeit »Lost and Found« (2016) der amerikanischen Künstlerin Susan Hiller (1940-2019). In der Video-Arbeit thematisiert die Künstlerin Sprache als ein Element der Wissensproduktion: Auf einer Tonspur, deren Schallwellen oszilloskopisch sichtbar gemacht werden, sprechen verschiedene Stimmen in 23 Sprachen, die beispielsweise auf Grund ethnischer Marginalisierung ausgestorben oder vom Aussterben bedroht sind. Die Sprechenden tragen Anekdoten, Lieder, Streitigkeiten und Erinnerungen vor, die den Betrachter*innen über Untertitel zugänglich gemacht werden. Die Erzählungen lassen so die verschiedenen Kulturgemeinschaften lebendig werden. Die Stimmen schaffen eine starke Verbindung zwischen den Hörenden und Sprechenden über Zeiten, Kulturen und Länder hinweg und betonen damit die subjektive Dimension von Wissensproduktion.