VG Stipendium 2017

  • 08.03 2017

Claudia Piepenbrock | todo | 2015 | Courtesy die Künstlerin

vg stipendium 2017
abstrakt – konkret – absolut | friedrich vordemberge-gildewart und die kestner gesellschaft
11. märz bis 7. mai 2017
pressevorbesichtigung | donnerstag, 9. märz 2017, 11 uhr
eröffnung mit dj und bar | freitag, 10. märz 2017, 19 uhr

Seit 1983 reist die schweizerische Stiftung Vordemberge-Gildewart durch Europas Kunstinstitutionen und verleiht einen der höchstdotierten Kunstpreise für junge Künstlerinnen und Künstler unter 35 Jahren. Dieses Jahr ist die Kestner Gesellschaft einmaliger Austragungsort der Preisverleihung und der damit verbundenen Gruppenausstellung »VG Stipendium 2017«. Die Förderung regionaler Kunstszenen ist ein wichtiges Anliegen der Stiftung Vordemberge-Gildewart. Die Ausstellung in der Kestner Gesellschaft nimmt deshalb Künstlerinnen und Künstler mit norddeutschem Bezug in den Blick. Die zwölf Positionen aus den Bereichen Malerei, Skulptur, Fotografie, Installation, Performance und Videokunst präsentieren einen breitgefächerten Querschnitt der aktuellen norddeutschen Kunstszene. Das »VG Stipendium« ist mit 60.000 CHF eine der höchstdotierten Auszeichnungen für europäische Nachwuchsförderung. In früheren Jahren waren zum Beispiel das Kunstmuseum Liechtenstein (2013) und das Centre PasquART in Biel-Bienne, Schweiz (2015) Austragungsorte.

Für die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler aktivierte die Kestner Gesellschaft ihr institutionelles Netzwerk: Zahlreiche Kolleginnen und Kollegen von Kunstvereinen, Ausstellungshäusern und Hochschulen wurden im Vorfeld gebeten, Vorschläge einzureichen. Neben den vorgegebenen Kriterien war den Kuratorinnen der Kestner Gesellschaft wichtig, dass die Nominierten ein Kunststudium beendet und bereits erste Schritte in der Praxis getätigt haben. Die Teilnehmer sind überwiegend Absolventen der Kunsthochschulen in Braunschweig, Bremen und Hamburg. Die Stiftungsjury, bestehend aus einem internationalen Team an Kuratoren, Kunsthistorikern und Künstlern, kürte am 4. März 2017 Annika Kahrs (*1984 in Achim) als Preisträgerin. Die Hamburger Künstlerin überzeugte die Jury mit ihrer Videoarbeit »Sea-Pool« (2016) sowie drei Zeichnungen (2015), die mit Seemännern in Bremerhaven entstanden sind.

Die Stiftung Vordemberge-Gildewart hat es sich seit ihrer Gründung 1977 zum Ziel gesetzt, den Nachlass des Künstlers Friedrich Vordemberge-Gildewart (1899 bis 1962) zu betreuen und in seinem Sinne jungen Künstlerinnen und Künstlern durch Vergabe von Stipendien den Weg ihrer künstlerischen Karrieren zu ebnen. Die Gründung der Stiftung geht auf die Initiative von Ilse Leda Vordemberge (1906 bis 1981) zurück.

Künstlerinnen und Künstler: Katja Aufleger (*1983 Oldenburg) | Malte Bartsch (*1984 Braunschweig) | Feminist Land Art Retreat  | Gerrit Frohne-Brinkmann (*1990 Friesoythe) | Toulu Hassani (*1984 Ahwaz, Iran) | Verena Issel (*1982 München) | Delia Jürgens (*1986 Hannover) | Annika Kahrs (*1984 Achim) | Lucas Odahara (*1989 São Paulo, Brasilien) | Claudia Piepenbrock (*1990 Paderborn) | Max Schaffer (*1985 Santiago de Chile, Chile) | Timur Yüksel (*1986 Ochtrup)

Präsident der Stiftung Vordemberge-Gildewart: Dr. Egon Bruhin | Mitglieder der Jury: Madeleine Schuppli, Vorsitz der Jury | Prof. Dietrich Helms | David Juda | Isabelle Krieg | Andreas Meier | Dr. Volker Rattemeyer | Dr. Arta Valstar-Verhoff | Dr. Roman Zieglgänsberger 

Parallel zum »VG Stipendium 2017« beleuchtet die Ausstellung »Abstrakt – Konkret – Absolut | Friedrich Vordemberge-Gildewart und die Kestner Gesellschaft« im oberen Foyer die wechselseitige Beziehung zwischen dem Künstler und der Institution. Die Ausstellung dokumentiert Vordemberge-Gildewarts Zeit an der Kestner Gesellschaft und vereint ausgewählte Werke, die in der Zeit von 1924 bis 1934 entstanden. Zu sehen sind unter anderem originale Ausstellungsplakate, Druckgraphiken und eines seiner konstruktivistischen Gemälde. Als besonderes Ausstellungsstück wird ein Gästebuch zu sehen sein, in dem sich zahlreiche namhafte Künstlerfreunde Vordemberge-Gildewarts verewigten. Mit dieser konzentrierten Werkschau widmet die Kestner Gesellschaft Vordemberge-Gildewart erstmals seit 1924 wieder eine Ausstellung. 

Friedrich Vordemberge-Gildewart bewohnte von 1924 bis 1930 das Künstleratelier der Kestner Gesellschaft in der Königstraße 8 und war bis 1934 verantwortlich für die Gestaltung von Eintrittskarten, Plakaten und Ausstellungskatalogen. Als einer der ersten deutschen Konstruktivisten prägte er somit zehn Jahre lang die Typografie und die Printprodukte der Kestner Gesellschaft. Diese hannoverschen Jahre waren für den jungen »VG«, wie er von seinen Freunden genannt wurde, von außerordentlicher Bedeutung: Hier machte er die Bekanntschaft mit Kurt Schwitters, Hans Arp, Käte Steinitz und Theo van Doesburg und fand in diesem Umfeld einen fruchtbaren Nährboden vor, der wesentlich zur Entwicklung seiner konstruktivistischen Malerei beitrug. Im Umfeld der avantgardistischen Bewegung probierte er sich zu dieser Zeit auch in weiteren Feldern der Kunst aus und beschäftigte sich mit Architektur, Design sowie dem Medium Film. Mit seinen Bauplastiken hinterließ VG darüber hinaus seinen künstlerischen Fußabdruck, der bis heute im Stadtbild Hannovers sichtbar ist. Der Ausstellungstitel »Abstrakt – Konkret – Absolut« geht auf einen zentralen Aufsatz aus dem Jahr 1944 zurück, in dem Vordemberge-Gildewart über die Grundsätze seiner Kunst schreibt.

Die Ausstellungen in der Kestner Gesellschaft werden unterstützt von der Stiftung Vordemberge-Gildewart und dem Förderkreis der Kestner Gesellschaft.

Kuratorinnen der Ausstellung: Christina Végh und Elmas Senol

Kuratorische Assistenz: Lea Steinkampf 

 

 

 

 

 

 


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