On Mining, Matter, and Memory - Vortrag von Miriam Bettin
Karimah Ashadus filmischer Blick auf Arbeit, Extraktion und Selbstbestimmung
Karimah Ashadus filmische Arbeiten untersuchen die Verflechtung von Arbeit, Körper und Identität im Kontext kapitalistischer, patriarchaler und postkolonialer Machtverhältnisse in Nigeria. Im Zentrum stehen männlich geprägte Berufsfelder sowie die ökonomischen Strukturen und sozialen Bedingungen, die Arbeit bis heute formen.
Der Vortrag konzentriert sich auf Plateau (2021–22), in dem Ashadu im informellen Sektor tätige Zinnminenarbeiter im Jos-Plateau porträtiert. Die Region wurde seit Beginn des 20. Jahrhunderts unter britischer Kolonialherrschaft industriell ausgebeutet – Land, Bodenschätze und Arbeitskraft. Mit dem Zusammenbruch des Zinnmarkts und dem Auslaufen des Internationalen Zinnabkommens 1985 endete diese Phase. Die Arbeiter gewinnen heute mit einfachen, vorwiegend manuellen Mitteln die verbliebenen Zinn- und Columbitvorkommen. Ashadu zeigt diese Arbeit zugleich als prekär und gefährlich und als Praxis der Wiederaneignung und Selbstbestimmung.
Der Vortrag knüpft an die Ausstellung Glückauf! On Mining, Matter, and Memory im Mönchehaus Museum Goslar (2026) an. Diese stellt die tausendjährige Geschichte des Harzer Bergbaus und das Ende des Rammelsbergs 1988 in einen Dialog mit internationalen künstlerischen Perspektiven auf Extraktion, Arbeit, Identität und Erinnerung, darunter Ashadus Blick auf den nigerianischen Zinnabbau nach 1985.
Miriam Bettin ist Kuratorin und Autorin. Seit September 2025 leitet sie das Mönchehaus Museum in Goslar. Ihre kuratorische Arbeit eröffnet Räume für queerfeministische und dekoloniale Perspektiven. In Goslar realisierte sie zuletzt Ausstellungen von Evan Ifekoya und Frances Scholz sowie Glückauf! On Mining, Matter, and Memory mit Arbeiten von u. a. Karimah Ashadu, donna Kukama, William Kentridge und Helena Uambembe. Im Herbst 2026 folgen Ausstellungen mit der Kaiserringträgerin Gabriele Stötzer und der Kaiserringstipendiatin Mona Filleul. Zuvor kuratierte sie Ausstellungen am Museum Folkwang in Essen und im Rahmen der Architekturbiennale in Venedig, arbeitete freiberuflich mit der Kunstkommission Düsseldorf und war Stipendiatin der G.A.S. Foundation in Lagos, Nigeria. Frühere Stationen führten sie an den Kölnischen Kunstverein und den Kunstverein Braunschweig.