Ausstellung

Goshka Macuga | Stairway to Nowhere

24. Mai - 4. Aug. 2019

Goshka Macuga, Kabinett der Abstrakten (after El Lissitzky) 2003
Goshka Macuga, Kabinett der Abstrakten (after El Lissitzky) 2003, Installationsansicht: Raimund Zakwoski

Anlässlich des 100-jährigen Bauhausjubiläums wird die Einzelausstellung der polnisch-britischen Künstlerin Goshka Macuga (*1967 in Warschau, lebt und arbeitet in London) präsentiert. Die international renommierte Künstlerin befragt in ihren Arbeiten die Geschichtsschreibung, insbesondere die Schlagworte der Moderne wie Fortschrittsglaube, Autorenschaft und Utopie. In detektivischer Recherchearbeit spürt sie Brüche, Fallstricke und Uneindeutigkeiten in einer vermeintlich linearen Erzählung auf. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Bauhaus, der einflussreichen Schule für Kunst, Architektur und Design, und ihrer Verbindung zur Kestner Gesellschaft. Im ganzen Haus sind rund 40 Installationen, Skulpturen, Textilien und Collagen von Goshka Macuga zu sehen. Eigens für die Ausstellung in der Kestner Gesellschaft entstehen auch neue Werke, unter anderem ein Wandteppich und eine Rauminstallation, die in Zusammenarbeit mit dem Londoner Lichtdesigner Michael Anastassiades entstand.

Goshka Macugas einzigartige künstlerische Praxis basiert auf historischer Forschung und Archivrecherchen, die sie in ihren Arbeiten umsetzt. Als Künstlerin nimmt sie somit gleichzeitig die Rolle einer Historikerin, Kuratorin und Designerin ein. Die Frage nach der Autorenschaft stellt die Künstlerin auf verschiedenen Ebenen: Sie adaptiert Entwürfe, integriert Arbeiten von anderen Künstlerinnen und Künstlern in ihr Werk – darunter Arbeiten von Joseph Beuys, Christo sowie den Künstlergruppen Art & Language und General Idea – und geht Kooperationen ein, neben Michael Anastassiades unter anderem mit dem weltweit bekannten Modedesigner Gareth Pugh und dem Bildhauer Jeffrey James.

Im Fokus ihrer Ausstellung in der Kestner Gesellschaft steht dabei die wechselhafte ideologische Positionierung und politische Instrumentalisierung des Bauhauses aus historischer und heutiger Perspektive. Während das Bauhaus heute häufig als eine kohärente Einheit, als Marke des klaren Designs, wahrgenommen wird, möchte Macuga künstlerisch die gegensätzlichen Weltanschauungen aufzeigen, innerhalb derer die Institution Bauhaus verortet wurde, oder sich selbst verortet hat. Das reicht von frühen spirituellen, sozialistischen, marxistischen Ideologien bis hin zu apolitischen oder kapitalistischen Haltungen. Eine besondere Rolle spielt dabei die kritische Untersuchung der Repräsentationsfunktion von Design, nicht zuletzt anhand ikonischer Entwürfe aus dem Umfeld der drei Direktoren des Bauhauses, Walter Gropius, Hannes Meyer und Mies van der Rohe, die ebenfalls unterschiedliche Auffassungen des Bauhauses verkörpern. Dies spiegelt sich insbesondere in der Rauminstallation von Goshka Macuga und Michael Anastassiades wider.

Goshka Macuga studierte von 1991 bis 1996 am Central Saint Martins College of Art and Design und der Goldsmiths, University of London. Schon bald nach ihrem Studium wurden ihre Arbeiten international gezeigt, 2008 wurde sie für den renommierten Turner Prize nominiert. Ihre Arbeiten werden in zahlreichen internationalen und nationalen Institutionen ausgestellt, darunter: Neues Museum, Nürnberg (2018), Hamburger Bahnhof, Berlin (2018), Witte de With, Rotterdam (2017), Fondazione Prada, Mailand (2016), New Museum, New York (2016), Schinkel Pavillon, Berlin (2016), Documenta 13 (2012), Venedig Biennale (2009).

Kuratorinnen: Lea Altner und Christina Végh

Erfahren Sie mehr über die Ausstellung in unserem Saalzettel.


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