Kestner Cinémathèque

In der neuen Kestner Cinémathèque zeigen wir permanent ein kuratiertes Filmprogramm. An einzelnen Abenden laufen dort Klassiker der Filmgeschichte.

Foto: Raimund Zakowski

Im Erdgeschoss befindet sich die neue Kestner Cinémathèque. Parallel zu den Ausstellungen werden dort verschiedene Kurzfilme gezeigt, die von den Künstler*innen ausgewählt wurden, die gleichzeitig mit Ausstellungen präsentiert werden. Ein von der Künstlerin Jongsuk Yoon konzipierter Vorhang leitet die Besucher*innen in die Welt des Kinos.

Aktuell zeigen wir:

Clarice Lispector, Panorama com Clarice Lispector, ein Gespräch mit Júlio Lerner, Brasil, 1977, 28min

Im Februar 1977, Monate vor ihrem Tod, besuchte die Schriftstellerin Clarice Lispector die Studios von TV Cultura, Kanal 2, in São Paulo, und nahm die Einladung des Journalisten Júlio Lerner, Moderator der Sendung „Panorama Especial“, für ein Interview an. Es sollte ihre einzige audiovisuelle Aufzeichnung sein, die auf Wunsch von Clarice erst nach ihrem Tod, am 28. Dezember um 20.30 Uhr, ausgestrahlt werden sollte.

Olga Tokarczuk, The Tender Narrator, Nobel Lecture, Sweden, 2019, 90 min

Die Vorlesung der polnischen Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin (2018) Olga Tokarczuk, ist eine Botschaft im Einklang mit den Schriften der Autorin als auch ein literarischer Text an sich.

Chantal Akerman, La Chambre, Belgium, 1972, 11min

Courtesy of Marian Goodman Gallery

Mit einem langen 360 Grad Schwenk filmt die Kamera langsam, aber mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten zwei Räume eines Hauses, die Küche und das Wohnzimmer, das auch als Schlafzimmer dient. Auf dem Bett liegt eine Frau, die mit jedem Durchgang der Kamera irgendetwas tut, wie z.B. einen Apfel essen. Nach drei vollen Schwenks macht die Kamera zweimal eine kurze Rückwärtsbewegung, um die Frau zu überraschen. Beim letzten Durchgang gähnt sie und legt sich auf ihr Bett.

Robert Ashley, Automatic Writing, USA, 1979, 7min

Courtesy of Lovely Music, Ltd.

In Automatic Writing, einem 46-Minuten-Stück, wiederholt Ashley die Zeile „My mind is censoring my own mind” oder eine leichte Variation davon ein Dutzend Mal. Die Komposition basiert auf einer Aufnahme des unwillkürlichen Sprechens des Komponisten, ein Symptom, das er auf eine mögliche „leichte Form des Tourette-Syndroms“ zurückführt.

Jack Smith, Flaming Creatures, USA, 1963, 45min

Copyright Jack Smith Archive, Courtesy Gladstone

Flaming Creatures ist ein queerer Undergroundfilm aus dem Jahr 1963 des Filmemachers, Performancekünstlers und Fotografen Jack Smith (1932-1989). Der Film übte einen großen ästhetischen Einfluss auf die künstlerische Avantgarde wie Laurie Anderson, Nan Goldin, Rainer Werner Fassbinder, Cindy Sherman, John Waters und Robert Wilson aus und inspirierte die Camp-Kunst. Unter dem Vorwurf der Obszönität war er in 22 US-Staaten und in weiteren Ländern verboten. Heute gilt Flaming Creatures als „Schlüsselwerk des modernen Kinos“. Flaming Creatures spielt mit Konventionen und Grenzüberschreitungen. Die Gender-Rollen im Film sind vieldeutig und entziehen sich einer Festlegung; in der Handlung sind Schwule, Lesben, Transgender, Intersexuelle und Drag- Performende zu sehen. Die Handlung ist surreal, eher assoziativ als narrativ. Die Szenen fließen ineinander, unterbrochen durch flüchtige Großaufnahmen intimer Körperteile.

The Black Soft, Totu Popep, USA, 2012, 10min

Totu Popep ist eine Musikvideo Trilogie des New Yorker Duos The Black Soft bestehend aus Joseph Topmiller und Chase Coughlin. Die einzelnen Kompositionen sind eine eklektische Mischung aus Synthie-Pop der 1980er Jahre, cineastischen Streicherklängen eines Film-Noir und einem Hauch spiritueller Voodoo-Musik sowie Elementen aus Blues, Industrial, Dark Wave, orchestraler und post-elektronischer Musik. Vorspann von The Black Soft Teil 1 Regie: Francsico Garcia, Mode: Yana Kamps Teil 2 Regie: Evaan Kheraj, Mode: Luisa Rino Teil 3 Regie: Tim Richardson, Mode: Nicola Formichetti

Jean-Luc Godard, Masculin, Feminin, France, 1966, 103min

Masculin, Feminin ist ein französisches Liebesdrama der Nouvelle Vague von Jean-Luc Godard. Das Drehbuch basiert lose auf zwei Erzählungen Guy de Maupassants, Le Signe und La Femme de Paul.  Paul ist jung, gerade aus dem Wehrdienst der französischen Armee entlassen und vom zivilen Leben desillusioniert. Während seine Freundin eine Karriere als Popsängerin aufbaut, isoliert sich Paul immer mehr von seinen Freunden und Gleichaltrigen („die Kinder von Marx und Coca Cola“, wie es im Abspann heißt) und ihrer sozialen und emotionalen Politik.

Jean-Luc Godard, Alphaville, France, 1965, 99min

Geheimagent Lemmy Caution, alias Ivan Johnson, kommt nach Alphaville, um den entführten Professor von Braun zu suchen. Dieser hat den Computer Alpha 60 entwickelt, der jede Bewegung und jeden Gedanken steuert. Auf dem Weg durch diese absurde Welt bekommt Lemmy Caution eine Gefährtin: Natascha, die Tochter des Professors.

Tomás Gutiérrez Alea, Memories of Underdevelopment, Cuba, 1968, 97min

Sergio, ein wohlhabender, bürgerlicher, aufstrebender Schriftsteller, beschließt in Kuba zu bleiben, obwohl seine Frau und seine Freunde nach Miami fliehen. Sergio blickt zurück auf die Veränderungen in Kuba, von der kubanischen Revolution bis zur Kuba-Krise, auf die Auswirkungen des Lebens in einem Land, das er als unterentwickelt bezeichnet, und auf seine Beziehungen zu seinen Freundinnen Elena und Hanna. Memories of Underdevelopment ist eine komplexe Charakterstudie über Entfremdung in den Wirren des gesellschaftlichen Wandels.


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