Ausstellung

Joanna Piotrowska
Sleeping Throat, Bitter Thirst

25. Juni - 25. Sept. 2022

Joanna Piotrowska. Sleeping Throat, Bitter Thirst, Installationsansicht / Installation view, Foto / Photo: Raimund Zakowski
Joanna Piotrowska. Sleeping Throat, Bitter Thirst, Installationsansicht, Foto: Raimund Zakowski

Willkommen in der psychosomatischen Kuppel von Sleeping Throat, Bitter Thirst! Joanna Piotrowskas fotografische Praxis befasst sich mit familiären Strukturen und deren Beziehung zu größeren Systemen – einschließlich Politik, Wirtschaft, sozialem und kulturellem Leben. Die Künstlerin arbeitet vorranging mit den Medien der Schwarz-Weiß-Fotografie und des Performancefilms. Durch die analoge Form der von Hand gemachten Silbergelantineabzüge sowie der Atmosphäre ihrer auf 16-Millimeter-Band aufgenommenen Filme entsteht die Idee von Geschichte oder Erinnerung, der Charakter einer entrückten Zeit oder eines entrückten Ortes.

Bilder untersuchen Gesten und Verhaltensweisen

In ihren Arbeiten inszeniert Piotrowska ihre Protagonist*innen in bestimmten Körperhaltungen und Berührungen, deren soziale Codierung der/die Betrachter*in nicht eindeutig entschlüsseln kann. Die Bilder changieren zwischen Nähe und Bedrohung, Freiheit und Unterdrückung, Schutz und Gefahr. Sie untersuchen Gesten und Verhaltensweisen, hinterfragen gesellschaftliche Normen und erforschen zwischenmenschliche Beziehungen. Dies geschieht jedoch nicht, um eine reale Repräsentation von konkret abgezirkelten psychosozialen Zuständen zu schaffen, sondern eher, um Bruchstücke von Assoziationen menschlicher Zustände zu evozieren, die in einem Zwischenbereich von Widersprüchlichkeit oszillieren.

„Ich wollte verstreute Assoziationen wecken ... begleitet von widersprüchlichen Gefühlen“

Piotrowska: „Ich wollte nicht einfach eine Geschichte erzählen, sondern verstreute Assoziationen wecken – von Trägheit, Gewalt oder mentaler Überforderung, begleitet von widersprüchlichen Gefühlen: Intimität, Nähe, Freude, Geborgenheit und Zärtlichkeit.”

Eine starke Konnotation zu einer häuslichen und familiären Dynamik schafft die Künstlerin durch die Auswahl der die Personen umgebenden Räume, welche stereotype Elemente wie Bett, Vorhang, Teppich oder Bücherregal von Wohnungen aufweisen. Wie beispielsweise bei der Serie „Self-Defence“, die junge Mädchen – meist in ihren Jugendzimmern – bei der Ausführung von Selbstverteidigungsposen inszeniert. Dabei deutet die Körpersprache eine ungewollte und unbequeme Haltung an. Das Besondere für den/die Betrachter*in ist, dass es kein sichtbares Gegenüber gibt, gegen das sich die Protagonistinnen zu verteidigen suchen. Dies verstärkt die Wahrnehmung in eine andere Dimension der physischen Konflikthaftigkeit.

Intensive Auseinandersetzung mit etwas – außerhalb des Bildausschnitts

Piotrowska bemerkt hierzu: „Wir sehen auch nicht, gegen was sie sich verteidigen. Wir sehen nur, dass sie in einer intensiven Auseinandersetzung mit etwas stehen, das sie handlungsunfähig macht – das aber außerhalb des Bildausschnitts liegt.“

Beigefarbene Außenhaut umrahmt gezeigte Kunstwerke

In ihren Ausstellungen erweitert Piotrowska oftmals die Räumlichkeit der präsentierten Fotoarbeiten in die reale Umgebung. Für die Kestner Gesellschaft verwendet sie einen recht weichen, dickeren Teppich sowie leicht lichtdurchsichtige Vorhänge, die in einem beigen Ton gehalten sind, der an eine Hautfarbe erinnert. Dieser überwältigend beigefarben gestaltete Projektraum „Shifting Present“ von Piotrowskas Ausstellung in der Kestner Gesellschaft kann als eine Art Außenhaut der gezeigten Kunstwerke verstanden werden.

Biografie

Joanna Piotrowska wurde 1985 in Warschau geboren. Sie lebt und arbeitet in London. Piotrowska studierte Fotografie am Royal College of Art in London und an der Kunstakademie Krakau. Ihre Arbeiten wurden bei der 10. Berlin Biennale gezeigt sowie in der Gruppenschau Being: New Photography at MoMA, New York (2018). Einzelausstellungen wurden ihr unter anderem in der Tate Britain, London, Zachęta National Gallery of Art, Warschau, der Kunsthalle Basel und in der Raketen-station Hombroich gewidmet. Piotrowska erhielt für ihr Werk bereits den Lewis Baltz Research Fund Award und den MACK First Book Award. Sie wird an der kommenden Biennale von Venedig und der Biennale von Lyon (beide 2022) teilnehmen.

Kurator / Curator: Adam Budak, Robert Knoke

Erfahren Sie mehr über Joanna Piotrowska im Handout zur Ausstellung.


Ausstellungsansichten

Joanna Piotrowska. Sleeping Throat, Bitter Thirst, Installationsansicht, Foto: Raimund Zakowski

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